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Liebe ist für alle da

 

LIEBE IST FÜR ALLE DA virtual 1

 

Von Melanie Verena Temme

 

 

Diese Vernissage fand am 05.05.2020 als erste Vernissage in Karlsruhe virtual/ digital nach der Wiedereröffnung des Lockdowns gemäß der Landesverordnung es Landes Baden-Württemberg in der Poly Produzentengalerie e.V. statt. Sie wurde in den sozialen Medien übertragen.

 

"Liebeslieder sind in aller Ohren und aller Herzen. Vor allem sind es die Frauen, die „unser Lied“ kreieren und sich auf die Suche nach dem schönsten Hochzeitslied aller Zeiten begeben. Oft erzählen sie von Erinnerungen und welches Lied zu welcher geschichtsträchtigen Situation in ihrem Leben passt. Bei einer Gelegenheit fiel mir auf, dass wir Frauen oft darüber sprechen, die Männer aber relativ selten nach „ihrem“ Liebeslied gefragt werden…. Und was ist überhaupt „die Liebe“?

 

Es existieren mehrere Formen der Liebe

Die abendländische Auffassung von Liebe wird von der Dreiteilung der antiken Terminologie geprägt. In der Antike wurden drei Begriffe verwendet, die unterschiedliche Formen von Liebe bezeichneten:

 Éros, Agápe, Philía

So wurde aus der Frage was die Liebe ist eine Idee und ich wand mich diesem Projekt zu:

Im Januar begann ich männliche Personen zu interviewen:

 

1.     Welches ist DEIN Lied, das du mit Liebe verbindest?

2.     Gibt es dazu eine Geschichte, von der Du berichten möchtest?

Dabei war freigestellt, welche Liebeshaltung gewählt wird. (Liebeshaltungen sind: Selbstliebe, Partnerliebe, familiäre Liebe, Nächstenliebe, Gottesliebe, Objekt- und Ideenliebe.

Insbesondere in jüngerer Zeit ins Zentrum gesellschaftlicher Begriffe gerückt sind in westlichen Kulturen auch Tierliebe oder die Liebe zur Natur. In der weitesten sprachlichen Auslegung „liebt“ man darüber hinaus seine Hobbys oder Leidenschaften und kann diese dann auch als Liebhaberei oder Vorlieben bezeichnen. Auch Ideale können demnach geliebt werden, etwa durch den Begriff „Freiheitsliebe“ dargestellt.)

 

So ist  dieses Kunstprojekt gewachsen. Ich kontaktierte nur Männer, männliche Teenager, Jungen ab ca. 10, die ich im realen Leben kenne oder mit welchen sich zumindest einmal kurz meine Wege kreuzten. Gerade bei diesem tiefgründigen Thema war es für mich wichtig, keine Form der „Kaltaquise“ zu wählen.

 Ich fragte im persönlichen Interview, wer mir begegntet, Nachbarn, Verwandte, über Nachrichtendienste und soziale Medien und legte die Grenze von 100 befragten Personen fest. 87 Personen nahmen an diesem Projekt teil, wofür ich mich bei jedem einzelnen Menschen an dieser Stelle ganz herzlich für das Vertrauen und die Offenheit bedanken möchte.

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Einige der Herren fanden es „eine richtig gute Idee“, dass „auch mal die Männer gefragt werden“, viele gaben ihre Daten und Anekdoten zu veröffentlichen frei, so manche wollten wissen, ob „ihr Lied“ denn schon mal genannt wurde. Spannend war es für mich zu sehen, wie die Menschen antworten, wenn man die Liebeshaltung frei wählbar lässt und welche Altersgruppe am schnellsten eine Antwort wusste.

 

 Oft war es natürlich die Eros-  und Philialiebe, die gewählt wurde. Ich hätte gedacht, dass die Erosform der Philia  zahlenmäßig weit überlegen ist. Und nach meinem subjektiven Empfinden waren die Philia- und Pragmaliebenden die zufriedensten.

Jungen bis 12 wussten immer am schnellsten eine Antwort und Geschichte. Meist ohne Überlegen kamen hier die Antworten und Kurzanekdoten.

Natürlich „die Mama“ und dann Kinderlieder, die die Mutterfigur beinhalten.

Die Disneyfigur Elsa gab es als Antwort: weil sie hübsch ist und stark zugleixh, nicht zickig und Zauberkräfte hat. So eine Frau möchte ich mal heiraten.

 

Jungen ab 13 konnten nur nach mehr maligem eleganten Fragen sich zu einem Lied durchringen, weil alle Arten von Liebe peinlich sind.

 

Bsp: Ein 14Jähriger fühlt die Liebe seiner Familie am meisten, wenn sie ihm am Rand vom Fußballfeld aus zujubeln, egal ob er gewonnen oder verloren hat. Lied nannte er „na vielleicht Bed of Roses von Bon Jovi“, denn das lief mal in genau so einer Situation, an die er auch gerne zurück denkt.

 

Ein Mann in den 50ern wählte „Toutes les femmes sont belles“ von Frank Michael, weil er keiner seiner ehemaligen Frauen noch seine aktuelle Frau kränken möchte und jede sich angesprochen fühlen sollte.

 

Die Lieder hörte ich mir einzeln am Vormittag zum Tee an, ließ Texte und Melodien auf mich Wirken und verband mich so mit der Person.

Nicht selten war ich überrascht, da ich manchmal die betreffende Person von dieser Seite noch gar nicht wahrgenommen hatte. Oder diese Anekdote aus der Biografie mir bislang nicht bekannt gewesen war."

 

 

Die Liedtexte wurden mit Tusche und Feder auf Büttenpapier geschrieben.

Sobald die Pandemiebedingungen es zulassen, wird die Ausstellung stattfinden:

LIEBE IST FÜR ALLE DA reality 2

 

 

Ich bedanke mich nochmals bei allen Teilnehmenden.

 

In Erinnerung an

(R., 3/6/2020)

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